Literatur

Scheurer, Hans J.

Zur Kultur- und Mediengeschichte der Fotografie, Die Industrialisierung des Blicks

Köln 1987

 

Sontag, Susan

Über Fotografie

Frankfurt a. M. 1987

 

Starl, Timm

Knipser - Die Bildgeschichte der privaten Fotografie in Deutschland und Österreich 1880-1980

München 1995

 

Koschatzky, Walter

Die Kunst der Photographie

Salzburg und Wien 1984

 

Ganz, Thomas

Die Welt im Kasten (Mediengeschichte von der Camera obscura bis zum Film)

ISBN: 3858235075, 1994

Übersicht über die Bereiche der Fotografie

Setzt man sich mit dem Thema Fotografie auseinander, so stellt man fest, dass es sich um ein sehr umfangreiches und facettenreiches Thema handelt. Fotografie spielt in vielen Bereichen eine wichtige Rolle, so zum Beispiel in der Kunst, der Werbung, im Journalismus und in vielen anderen Bereichen des alltäglichen Lebens. Die folgenden Kurzbeschreibungen einiger Felder der Fotografie sollen einen Überblick über das weite Feld der Fotografie geben.

 In der künstlerischen Fotografie stellen das Foto oder eine Serie von Fotografien das Werk des Künstlers dar. Die Fotografie dient als Ausdrucksmittel und kann aufklärerische, sozialkritische, ideologiosche oder politische Wirkung erzielen. Sie beschränkt sich nicht allein auf die Abbildung der Realität. Die Anfänge der künstlerischen Fotografie, etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, verfolgten noch die Absicht mit der Kamera Malerei zu imitieren. So wurden beispielsweise Bilder unschärfer gemacht und Menschen in malerischen Umgebungen abgebildet. Im Laufe der Zeit gliederte sich jedoch auch die Fotografie in zahlreiche Stilrichtungen und Genres auf. So lässt sie sich heute in Bereiche wie die künstlerisch-konzeptuelle Fotografie, Inszenierte Fotografie, Experimentelle Fotografie und viele mehr spezialisieren.

Fast im Gegensatz zur künstlerischen Fotografie steht die Dokumentarische Fotografie. Ihre Aufgabe ist es, die Realitaet unverfälscht abzubilden. Situationen werden nicht arrangiert und Gegenstände nicht stilisiert, die Echtheit steht im Vordergrund. Trotz der scheinbaren Gegensätzlichkeit gibt es auch Verbindungen zur Arbeit eines künstlerisch tätigen Fotografen. Um qualitativ hochwertige dokumentarische Fotos zu erstellen, werden dem Fotografen künstlerische und fototechnische Fähigkeiten abverlangt. Auch kann ein die Realität abbildendes Foto durchaus ästhetisch sein und somit künstlerischen Ansprüchen gerecht werden. Mögliche Spezialisierungsgebiete eines Dokumentarfotografen sind Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung, Industrie und Sozialdokumentationen.

Im Bereich der Werbung dient die Fotografie als Mittel, um ein Produkt besonders wirken zu lassen. So werden beispielsweise Produkte als Stilleben arrangiert oder bestimmte Situationen inszeniert, um eine bestimmte Wirkung beim Betrachter, dem potentiellen Kunden oder Käufer des Produktes, zu erzielen. Werbefotografie hat also das Ziel den Betrachter zum Konsum anzuregen. Mögliche Arbeitsgebiete eines Werbefotografen sind z.B. Mode, Beauty, Food, Car und die Industrie.

Eine weitere wichtige Funktion von Fotografien ist die Unterstützung oder Beschreibung von Textinhalten, beispielsweise in Broschüren, Zeitschriften oder auf Internetseiten. "Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte." Die Einsatzgebiete der Editorialfotografie sind dabei weit gefächert. Sie reichen von Reportage, Portrait und Illustration bis hin zu Reise- und Landschaftsfotografie. "Der Akt der Fotografie verengt und fokussiert das Auge des Fotografen auf das Wesentliche. Des Betrachters Ansichten und Sinne dagegen werden geweitet." (Nicola Uphoff-Watschong)

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts stellt die journalistische Fotografie einen wichtigen Bestandteil von Zeitungen und Magazinen dar. Die Illustration von Berichterstattung über Themen wie Politik, Kultur, Verbrechen u.v.m. unterstützt — wie die Editorialfotografie — das geschriebene Wort in seiner Wirkung. Fotografen arbeiten in diesem Bereich an Reportagen, als Theater- oder Filmfotografen oder im Genre der Street Photography. Street Photography ist eine Fotografie, die im öffentlichen Raum entsteht. Sie bildet oft das Alltagsleben auf Straßen, in Geschäften oder Cafès ab. Der Stil der Street Photography kann streng dokumentarisch sein. Andere Fotografen wählen aber auch bewusst verzerrte oder verschwommene Ansichten oder arbeiten mit Spiegelungen oder besonderen Perspektiven.

Auch im Bereich der Neuen Medien oder Medienkunst hat die Fotografie ihren Platz. In multimedialen Werken geht es um das Zusammenspiel verschiedener Medien, wie Sprache, Text, Audio, Video und Bild. Anwendungsgebiete der Fotografie sind hier multimediale Präsentationen oder Installationen, Messepräsentationen, o.ä..

Ebenfalls als ein Genre der Fotografie kann die Gebrauchsfotografie bezeichnet werden. Mit ihr werden Erlebnisse und Erinnerungen festgehalten. Oft handelt es sich hierbei um Schnappschüsse, die zu Anlässen wie Geburtstagen oder anderen Festen, im Urlaub oder der Freizeit enstehen. "Die Fotografie gibt den Menschen die Möglichkeit Ereignisse, Erlebnisse und Augenblicke der Vergessenheit zu entreißen und für spätere Generationen festzuhalten. Kommt sie doch auch dem Wunsche des Menschen nach Unsterblichkeit entgegen und erhält im Portrait das Andenken an die Person denkmalähnlich weit über deren Zeit hinaus." (Kurt Römer)

Ein weiteres wichtiges Feld in der Fotografie ist die Wissenschaft und Technik. Sie umfasst Themen wie Fotophysik, Fotochemie, Speichermedien (CD, DVD, SD, miniSD etc.), Bildformate (jpeg, gif etc.), Belichtungsinstrumente, Prozessorentwicklung, Objektiventwicklung, Präsentationsmittel, Kamerasysteme, Archivierung, Laborarbeit etc.. Durch kontinuierlichen wissenschaftlichen Fortschritt entwickeln sich Technik und Funktionen der Fotografie ständig weiter. Zudem gilt es die Fotografie dem allgemein herrschenden technischen Fortschritt anzupassen. So sind beispielsweise im Bereich der Archivierung von Fotoarbeiten Herausforderungen wie die begrenzte Funktionsfähigkeit von Speichermedien zu bewältigen.

"Die Fotografie ist ein multifunktionales Medium. Genauso wie die Sprache, mit der ich wunderbar Literatur produzieren, aber auch einfach um Hilfe rufen oder eine Gebrauchsanweisung für einen Videorekorder schreiben kann. Bei Fotografie habe ich zudem das Phänomen, dass teilweise, im Moment des Machens, noch nicht entschieden ist, was es eigentlich ist: Journalismus, Sachfotografie, Kunst oder was auch immer.[...] Ich sehe Fotografie als multifunktionales Medium, in dem jeder seine Ausdrucksform finden kann." (Schäfer, Rudolf, in: Photonews, Ausgabe 09/2006)

So unterschiedlich und umfangreich wie die hier dargestellten Bereiche der Fotografie, sind auch die Möglichkeiten in Deutschland Fotografie zu studieren — kaum ein Studiengang gleicht dem anderen. Diese Tatsache macht es erforderlich, sich vor Aufnahme eines Studiums ausführlich über die Inhalte der verschiedenen Studiengänge zu informieren. Unser Webangebot soll dabei eine Möglichkeit darstellen, sich einen Überblick über diese zahlreichen Studienmöglichkeiten zu verschaffen.