Bachelor und Master vs. Diplom

Ob in Pisa, Oslo oder Berlin - Studienabschlüsse und die im Ausland erbrachten Leistungen sollen zukünftig europaweit miteinander vergleichbar sein. Deshalb unterzeichneten die europäischen Staaten das sogenannte Bologna-Abkommen, womit sie sich verpflichten, bis 2010 das alte Studiensystem zu Gunsten der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge abzuschaffen.

Heutzutage haben Studenten die Möglichkeit, sich zwischen den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen oder dem alten Diplomstudiengang zu entscheiden. Im Wesentlichen unterscheiden sich die Abschlüsse darin, dass die Bachelorstudiengänge die Mobilität der Studierenden in Europa verbessern sollen. Der Grundstein für die neuen Studiengänge wurde 1999 mit dem Bologna Prozess gelegt, als 30 europäische Staaten die Bolognaerklärung, zur Schaffung eines europäischen Hochschulraumes bis 2010, unterzeichneten. Zum Sommersemester 2007 wurden dann etwa 5700 Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten, was ungefähr 48% des Studienangebotes in Deutschland ausmacht.

Die erfolgreiche Akkreditierung ist die Vorraussetzung für eine staatliche Genehmigung des Studienganges und soll für die Entstehung einer besseren Vergleichbarkeit der angebotenen Leistungen dienen. Bis Januar 2007 haben etwa 2100 Bachelor- und Masterstudiengänge ein Akkreditierungsverfahren erfolgreich durchlaufen. In den neuen Studiengängen werden die Lerninhalte modularisiert und die Leistungspunkte, die Credits genannt werden, sind Maß für die studentische Arbeitsbelastung im Studium.

Auch die Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte während des Studiums werden durch die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge stark verbessert. Eine weitere Besonderheit ist, dass sich die neuen Studiengänge entweder auf ein Hauptfach konzentrieren, oder aber eine Kombination von mehreren Fächern bieten. Bei Diplomstudiengängen liegt der Schwerpunkt hingegen auf einem Studienfach. Die Diplomgrade können an Hochschulen, Universitäten und Fachhochschulen erworben werden. An einer Fachhochschule wird das Diplom mit dem Zusatz "(FH)" gekennzeichnet. Das Grundstudium wird sehr allgemein gehalten, während man im Hauptstudium die Möglichkeit hat, sich auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren. Ein weiterer Unterschied ist die Studiendauer von Diplom- und Bachelorstudiengängen. Ein Diplomstudium dauert in der Regel zwei bis drei Semester länger als ein Bachelorstudium.

Auf den Bereich Design und Kunst im Allgemeinen bezogen, gibt es die Besonderheit der Meisterklasse und des Meisterschülers. Meisterschüler können an Kunsthochschulen die Studenten werden, die während des Studiums "besondere hervorragende künstlerische Leistungen" hervorgebracht haben. Diese spezielle Auszeichnung wird meistens nach einem zehnsemestrigen Studium verliehen. Die Meisterklasse geht etwa über ein bis zwei weitere  Studienjahre, am Ende wird ein "Meisterschülerbrief" ausgehändigt. Der angebotene Unterricht erfolgt durch renommierte Künstler. Die Bezeichnung "Meisterschüler" wird an manchen Kunsthochschulen als akademischer Grad verliehen an anderen durch den jeweiligen Professor als nicht gesetzlich geregelter Titel.

Laut Professor G. Lindemann der Fachhochschule Nürnberg besitzen die neuen Bachelor und Masterstudiengänge sowohl Vor- als auch Nachteile. Als Vorteil sieht er das längere und umfangreichere Studium als komplexer an, als das Diplomstudium. Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass über die Studieninhalte noch einmal neu nachgedacht wurde und sie somit überarbeitet und möglicherweise verbessert wurden. Durch die Akkreditierung wird ebenfalls für eine bessere Vergleichbarkeit der Studiengänge gesorgt. Als Nachteil hingegen sieht er die höheren Kosten, die aus der Verlängerung des Studiums resultieren, sowie eine zweite Aufnahmeprüfung für Bachelorstudenten, die den Master studieren wollen. Des Weiteren werden weniger Master- als Bachelorstudienplätze angeboten. Einstellungen erfolgen durch Arbeitspräsentationen und Einstiegsgehälter für Festanstellungen sinken. Hinzu kommt die unterschiedliche Studiendauer für den gleichen Abschluss und die gekürzte Zeit, die der Student für seine Bachelorarbeit zur Verfügung hat, obwohl an diese dieselben Anforderungen gestellt werden, wie an die Diplomarbeit. Lindemann sagt zudem, dass nicht die Hochschullehrenden und Arbeitgeber, sondern vor allem die Politik die Umstellung fordert, um Kosten einsparen zu können. Zweidrittel aller designorientierten Studiengänge an den Fachhochschulen sind schon umgestellt worden und an den Universitäten und Kunsthochschulen ist es mittlerweile ein Drittel, die auf Bachelor und Masterstudium umgestiegen sind.