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Universität Siegen

Thomas Kellner - Lehramt an Gymnasien der Sekundarstufen 1 + 2

Wo und wann haben Sie studiert?

1989-1996 Universität Siegen

Wie ist der Name des Studiengangs?

Damals war das ein Studium für das Lehramt an Gymnasien der Sekundarstufen
1+2

Das Lehramtsstudium wurde immer in der Kombination von 2 Unterrichtsfächern und einem Erziehungswissentschaftlichen Teilstudium bestritten. In meinem Fall waren das Sozialwissenschaften, die aus dem Studium der Politikwissenschaften, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften, Kunst bestehend aus Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft, Kunstdidaktik und Kunstpraxis, so wie den Erziehungswissenschaften, bestehend aus Psychologie, Pädagogik, Philosophie, Politik und Soziologie, ergänzt um 4 Praktika an
Schulen. In der Sekundarstufe 2 wurden ähnliche Anforderungen wie in einem Magisterstudium gestellt.
Es gab auch die Möglichkeit auf Magister zu studieren.
Die Studienmöglichkeiten und -abschlüsse haben sich jedoch nach der Einführung von BA und MA stark verändert.

Welche Schwerpunkte haben Sie gewählt?

Mein eigener Schwerpunkt während des gesamten Studiums lag in der künstlerischen Praxis, meistens in der Malerei und der Fotografie.

Welche fotografischen Schwerpunkte haben Sie gewählt?

In dem sehr frei angelegten Atelierstudium (Fotografie bei Jürgen Königs, Malerei bei Herbert Wilmsmeyer und Wolfgang Nestler) beschäftigte ich mich hauptsächlich mit den Möglichkeiten experimenteller Ansätze, der Lochkamerafotografie, fotografischen Edeldruckverfahren, wie dem Salzprint, der Cyanotypie, Platin- und Palladiumdruck, Öl- und Ölumdruck, Gummidruck, etc, so wie der Konzipierung von individuellen fotografischen Ansätzen, die sich im Laufe des Studiums zu einem Interesse an multiperspektivischen Ansätzen bündelten.

Haben Sie sich auf die Eignungsprüfung/ Mappe besonders vorbereitet?

Ja, denn für die Bewerbung war damals bereits gefordert, nur einen kleinen Prozentsatz von Arbeiten aus der eigenen Schulzeit einzureichen und möglichst die gesamte Bewerbungsmappe mit freien Arbeiten aus verschiedenen Bereichen, von Zeichnung, Malerei, Fotografie etc. zu bestücken. Ich habe über lange Zeit, außerhalb des Schulunterrichtes gezeichnet und gemalt, verschiedene Kurse belegt, Unterricht bei praktizierenden Künstlern genommen und dann sehr gezielt die verschiedenen möglichen Bereiche von Figur, Technik, Natur in den unterschiedlichsten Medien und Techniken für die Mappe bearbeitet.

Wie läuft ein Studium für das Lehramt Kunst ab?

In der künstlerischen Praxis konnten wir jeder Zeit, rund um die Uhr, auch an Wochenenden die Ateliers und Labore nutzen. Meistens arbeitet man nach Abschluß des Grundstudiums alleine an den selbst gewählten Schwerpunkten, die dann einzeln oder in der Gruppe besprochen wurden. Allerdings war die Arbeitswoche sehr intensiv belegt von all den anderen Seminaren in den theoretisch zu absolvierenden Fächern. Insbesondere das Studium Kunstgeschichte war aber immer von großem Vorteil, weil so grundlegende Kenntnisse aus der Geschichte des Mediums vermittelt wurden. Einen großen Teil der Zeit verbringt man in Seminaren, mit Klausuren, Referaten und Hausarbeiten. Insbesondere die Möglichkeit am Ende des Studiums die Abschlußarbeit in der künstlerischen Praxis zu leisten (3 Monate selbständige Arbeit an einem Thema), war eine große Herausforderung und Möglichkeit zugleich. In meinem Fall wurde die Arbeit mit dem Kodak Nachwuchs Förderpreis belohnt.


Zu meiner Zeit war das Studium und die Lehrenden immer für alle Aktivitäten der Studierenden offen. So konnten wir den alljährlichen "Rundgang" (Präsentation der Ergebnisse von Studierenden in den praktischen Teildisziplinen) und die Brauhausfotografie (jährliche Edition von Arbeiten Studierender und Lehrender, so wie Gäste in der Fotografie, seit 1992) etablieren. Ausstellungsprojekte auch außerhalb der Universität wurden damals von Lehrenden begrüßt und maßgeblich unterstützt. Eines dieser Projekte war zum Beispiel "Zwischenzeit - Camera Obscura im Dialog", eine Wanderausstellung und Buch mit Arbeiten Studierender der Universität Siegen, der HBK Saarbrücken und der FH-Bielefeld.

Welchen Beruf haben sie nach dem Studium ergriffen?

Nach dem Abschluß des Studiums mit dem 1. Staatsexamen entschied ich mich für die Laufbahn eines freischaffenden Fotokünstlers. 2003/4 erhielt ich eine Gastprofessur für künstlerische Fotografie an der Justus-Liebig-Universität (Giessen) für ein Jahr und lebe seit dem auschließlich vom Verkauf meiner Arbeiten, über Galerien, die mich in Deutschland, Spanien, Mexico und den USA vetreten.

Welche Zusatzqualifikationen haben Sie?

Im Laufe meiner Selbständigkeit mußte ich neben den Lehrenden Fähigkeiten viele weitere Qualifikationen erwerben. Dazu gehörten insbesondere organisatorische und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten, Marketing und PR. Da mich mein Beruf heute rund um die Welt trägt habe ich sehr umfangreiche Kenntnisse über die Galerien- und Museumslandschaften in Europa und den USA erwerben können. Die alljährlich stattfindenden Portfoliosichtungen und meetingplaces laden mich regelmäßig als Berater und Netzwerker für Nachwuchsfotografen und -künstler ein. Zu diesen zählten bis jetzt u.a.: FotoFestHouston/Texas, fotoarte Brasilia, FotoBild Berlin, FotoFestiwal Lodz, FotoFest Meetingplace Beijing, Fototage Mannheim. Zu diesen Qualifikationen kommen mittlerweile Vorträge an verschiedenen Universitäten und bei den Festivals hinzu, so wie Ausstellungen, die ich regelmäßig kuratiere (Zuletzt Chapalango - zeitgenössische Tanzfotografie, Art Galerie Siegen und China Photo - Zeitgenössische Chinesische Fotografie, Städtische Galerie Haus Seel, Siegen und Fotofestiwal Lodz/Polen).

Mexico, Munal, 2006
Mexico, Munal, 2006